Grooming-Verschwörungstheorie & Religious Right

Aktuelle Anfeindungen und Moralpanikphänomene gegen trans Personen können nicht unabhängig vom Einfluss der religiösen Rechten (Religious Right) in den USA betrachtet werden. Unter dem Dachbegriff des christlichen Fundamentalismus lassen sich unterschiedliche Strömungen zusammenfassen, die auf Basis der Bibel als absoluter Wahrheit agieren – im privaten und öffentlichen Leben. Der Kampf gegen angeblichen „Sittenverfall“ und der „Schutz moralischer Werte“ stehen im Zentrum des kontinuierlichen Aufstiegs der Religiösen Rechte ab den 1970er Jahren, die gezielt nach gesellschaftlicher und politischer Macht streben.

Moralische Panik – ein kurzer Überblick

Moralische Panikphänomene sind jedoch weitaus älter und gehen bereits Jahrhunderte zurück. Ein oft zitiertes Beispiel für eine Moralpanik sind die Salemer Hexenprozesse im Jahr 1692 in Massachusetts, wo einige Frauen, die ohnehin bereits am Rande der Gesellschaft standen, als Hexen angeklagt und getötet wurden. Diese Panik, die sich als Massenhysterie verbreitete, stärkte in Folge die damalige puritanische religiöse Führung, da Hexerei als essenzielle Bedrohung christlicher Werte angesehen wurde. Für eine detaillierte Darstellung siehe: Die Hexenprozesse von Salem.

Anorexie, Ansteckungstheorie und trans

Da geht es um ganz persönliche Motive und nicht um einen „Virus“, der gerade einmal unterwegs ist und rundherum grassiert, mit dem man sich also einfach mal so anstecken kann. Der Begriff „soziale Ansteckung“ ist nicht nur – vor allem fĂĽr Laien – irrefĂĽhrend, sondern auch in höchstem MaĂźe verharmlosend. Er bagatellisiert eine Krankheit, bei der 10 bis 15% aller Betroffenen sterben und es fĂĽr viele kein ZurĂĽck in die Normalität mehr gibt, selbst wenn sie es anstreben. Sie verhungern, obwohl sie auf keinen Fall sterben wollen, sondern unbedingt (sich selbst) leben! Und genau hier spanne ich den Bogen zu trans Identitäten:

ROGD & der Vergleich mit Pro Ana

Druck, Angst, Konkurrenzdenken und Belohnungs-Bestrafungs- bis hin zu Bedrohungs-Szenarien (inklusive Schuld- und Scham-Aktivierung) bestimmen in der Pro Ana-Bewegung noch heute die Abläufe. All das ist jedoch weit entfernt von dem, was Anti-Trans-Aktivisten daraus machen. In dem Versuch, trans Personen als krank zu stigmatisieren, begeben sie sich auf den brandheißen Pfad der analytischen Psychologie, wofür die allermeisten keinerlei Ausbildungen und/oder Kenntnisse aufweisen. Und wenn doch, werden diese Kenntnisse entsprechend als Framing eingesetzt.

Trans*: Daten und (historische) Parallelen

Trans*-Identitäten werden heute – genauso wie 1933 – missbraucht, um die Gesellschaft nicht nur zu spalten, sondern rechte Ideologien gesellschaftsfähig zu machen und diesen dadurch Macht zu verleihen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei vor allem die bewusste und unbewusste Angst – daher der Begriff „moralische Panik“ – aller Menschen: nämlich ein Angriff auf die Kinder und Jugendlichen. Das sind die Bausteine, mit denen Verschwörungen in Gang gesetzt werden, doch darauf gehen wir, wie bereits erwähnt, in einem anderen und sehr viel längeren Beitrag ein.