Eine Stinkesocke?

Autorin: Marvel Stella

Bin ich eine Stinkesocke? Zwei unterschiedliche Fraktionen wollten mich bereits als „Stinkesocke“ darstellen, doch bevor ich näher darauf eingehe, ein paar Worte vorweg, was diese Bezeichnung überhaupt bedeutet.

Der Begriff „Stinkesocke“ bezieht sich vor allem auf den im April 2023 stattgefundenen Fall #JuleStinkesocke, in dem herauskam, dass eine Twitteruserin ihre Vita frei erfunden hatte. Hierzu auf Wikipedia:

Jule Stinkesocke

Daraufhin fand auf Twitter tagelang ein massiver Shitstorm statt, den ich als unangemessen empfand. Ich schloss mich dahingehend der Meinung einer sehr bekannten Twitteruserin namens Die Wölfin an, siehe ihren Tweet. Leider führt dieser Fall aber auch dazu, dass man nun alle unliebsamen Menschen, die anonym bzw. mit einem Pseudonym online sind, dem Fakeverdacht aussetzen kann. Einmal in die Welt gesetzt, wird dieses Stigma nicht mehr aus den Köpfen der Menschen verschwinden. So unangenehm es auch gewesen sein mag, diesem Shitstorm beizuwohnen, so sehr hat dieses Ereignis dem Ableismus Tür und Tore geöffnet, was ich dann selbst zwei Mal zu spüren bekommen habe.

Ich vermute, dass es beiden Seiten in erster Linie darum ging, mich einer gewissen Unglaubwürdigkeit auszusetzen, denn diese Zuordnung fand in genau den Momenten statt, wo ich mich kritisch gegen deren Vorgehensweisen geäußert hatte. Enttäuscht war ich vor allem von einer Seite, nämlich der Autisten-Bubble auf Twitter, die sich gegen ABA (Applied Behavior Analysis) einsetzt. Bei diesen Menschen habe ich mit so einer Grenzüberschreitung nicht gerechnet. Vor allem bei den Wortführer_innen nicht (Mela Eckenfeld, Aspergianer, AnitaWorks, Ganda, Phodopus Sungorus), die die Aussage, ich sei eine „Stinkesocke“ gelikt und teilweise retweetet haben.

Ich erwarte tatsächlich von einer Gruppe, die sich für behinderte Menschen einsetzt, dass es für sie eine Prinzipienangelegenheit ist, diesen Begriff „Stinkesocke“ nicht zu benutzen und auch nicht zu fördern, denn es sind gerade Menschen mit Behinderungen gewesen, die nach dem Fall #JuleStinkesocke Angst bekamen, dass man ihnen nicht mehr glaubt. Mich hätte diese Unterstellung sicherlich auch tief im Inneren getroffen, wenn ich nicht ein „Ass im Ärmel“ gehabt hätte.

Ich war ein halbes Jahr lang GWUP-Mitglied und in Folge sind der dortigen Geschäftsstelle meine realen Daten bekannt. Fakt ist also, dass mein Geschlecht (weiblich) und Alter (56) stimmen müssen. Ein GWUP-Mitarbeiter bekam zusätzlich von mir (aus freien Stücken) die MDK Unterlagen, die u.a. aufzeigen, dass mir vom MDK der Pflegegrad 3 zugesprochen wurde.

So sehr ich es auf Grund der Ereignisse des Vereins auch bereut habe, Mitglied in der GWUP gewesen zu sein, so entspannt darf ich es aus genau diesem Grund heute sehen, wenn man mich bezichtigt, als Fake aufzutreten. Mir ist es erlaubt, mich mit einem Pseudonym und auf Grund meiner Traumafolgestörung mit einem Schutzimpressum im Internet zu bewegen, über meine Behinderungen zu sprechen UND auch kritisch zu sein, wenn es angebracht ist. Andere behinderte Menschen haben berechtigterweise Angst davor.

Damals, als genau diese Ängste von Betroffenen auf X/Twitter geäußert wurden, hab ich abgewunken. Man sei doch keinem im Internet Rechenschaft schuldig, waren meine Worte. Sollen doch alle denken und sagen, was sie wollen, wen interessiert es? Heute, da ich selbst viele liebe Kontakte im Internet habe, sehe ich es anders: Man baut sich ein soziales Netzwerk auf und dann kommen Leute daher und aktivieren mit einem einzigen Wort Zweifel und Misstrauen. Wenn das dann auch genau jene Leute sind, die sich durchwegs für Menschen mit Behinderungen einsetzen, und insofern auch noch glaubwürdig sind, dann hinterlässt das durchaus ein Geschmäckle.

Zusatz:

Konkret zu dem Fall #JuleStinkesocke wollte ich damals im Übrigen noch etwas schreiben, weil mich das Ganze an etwas erinnert und in Folge auch sehr nachdenklich gemacht hat. Leider ist dann im Laufe des Jahres 2023 so derart viel geschehen, dass ich davon abgekommen bin. Vielleicht hole ich es demnächst nach.

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